Freitag, 24. April 2026

Gamarjoba Sakartwelo

Bis Ende März standen hier quasi gedanklich schon meine ersten Worte über die alten Römer und deren Weg in den Nahen Osten und was davon übrig geblieben ist ...


Jetzt kann ich über alte weiße Männer mit narzisstischen und faschistoiden Zügen reden und was vermutlich vom Nahen Osten übrig bleibt, nachdem diese ihren Schwanzvergleich abgeschlossen haben und die Zivilbevölkerung in Sittenhaft genommen haben. 

Glaubenskriege unter dem Deckmantel der internationalen Sicherheit anzuzetteln und jeden beliebigen Spinner zum Machterhalt mitwirken zu lassen und gegen Menschenrechte zu verstoßen ist schon schlimm genug, uns aber unmittelbar ebenfalls dort mit reinzuziehen geht zu weit.

Okay, also wo kommen wir her bzw. wo wollten wir hin und wo sind wir letztlich gelandet. 

Mitte 2025 wuchs die Idee nach Jordanien zu fliegen und das Land, sowie seine Geschichte etwas genauer kennenzulernen. Der Völkerrechtswidrige Angriffskrieg am Mittelmeer hatte sich etwas beruhigt und es sprach alles für das Reiseziel Jordanien - bis Mitte Februar Gott persönlich Donald Jesus Trump beschloss die Welt mit seiner Verbrecherbande zu "retten" ... Flugraumsperrung, Bombenregen und vermeintliche Ölkrisen sorgten für die Streichung unserer Urlaubspläne. Reisebüro Marie musste also schnell agieren und zauberte Mitte März einen Alternativplan auf den Tisch.

Nicht ganz Naher Osten, aber definitiv Osten - Georgien. Kurzer Check der Flug, Hotel und Fortbewegungsmöglichkeiten und Zack wurde auch bereits gebucht.

Samstag 18.04.2026 ging es los, Direktflug von Berlin nach Tbilissi. Fluganbieter Georgian Airways wusste mit Berliner Freundlichkeit und maximalen Desinteresse an seinen Passagieren zu überzeugen und knappe 3,5h später landeten wir überpünktlich in Tbilissi, wo uns bereits unser sehr wortkarger Fahrer erwartete. Die Konversation beschränkte sich auf "ATM", Smoking und Hotel. Er bejahte alles und lieferte uns nach knappen 20min im Hotel ab, wo wir direkt mit Hauswein und selbstgebranntem Schnaps empfangen wurden. Dort wurde unser Fahrer auf einmal gesprächig, nachdem er Geld bekommen hatte und einen mit uns trinken durfte.







Da es ja bekanntlich heißt "Bier auf Wein, das muss sein" gingen wir kurz durch die angrenzenden Gassen schlendern und gönnten uns noch 1-2 Bier eh es in die Kajüte ging.






Am Sonntag erkundeten wir die Altstadt Tbilissis inklusive Bergbesteigung zur Mutter von Georgien. Tbilissi mit etwas mehr als 1,3 Millionen Einwohnern schaut auf eine durchwachsene und oftmals fremdbestimmte Geschichte zurück. Lange stand die Stadt unter dem Einfluss des Persischen Reiches und anschließend über hundert Jahre unter russischer Verwaltung. Diesen Einschluss kann man auch leicht an den pompösen Sowjetbauten rund um die Altstadt sehen.  Am Nachmittag benötigte Marie einen kurzen Break da Energie spielte ... Minimal aufgekratzt vom Ergebnis ging es am Abend nochmal um die Häuser um den Sieg von Cottbus zu begießen. Unser Viertel lässt sich etwas mit Friedrichshain vergleichen, was die Bardichte, sowie deren Mischung angeht. Die Bewohner stehen trotz der schwierigen Situation bezüglich freier, demokratischer Meinungsäußerung sehr stabil zu ihren Ansichten. Russland wird hier vieler Orts als das bezeichnet, was er seit Jahren in diesem Land ist - ein Besatzer.

So finden sich an einigen Häuserwänden doch sehr klar formulierte Wünsche, was der Russe machen solle ... Ob dies anatomisch möglich ist, mag ich bezweifeln.
































Damit war unser Pensum an Großstadt aber auch erfüllt und wir holten am Montag unseren Mietwagen ab.

Der erste Weg führte in die Georgische Steppe im Südosten nahe der Aserbaidschanischen Grenze nach Udabno. 

Trotz der üblichen Horrostorys von Dritten im Vorfeld über das vermeintliche Unvermögen der Landesbewohner Auto zu fahren, gestaltete sich die Fahrt doch sehr entspannt - die größten Hindernisse auf der Tour waren letztlich Schafherden, Pferde, Kühe und Hunde die die Straßen blockierten.

Die Wetterlage in Georgien lässt sich als kompliziert bezeichnen - von Sonnenschein hin zu Temperaturabfällen und Regengüssen innerhalb kürzester Zeit ist alles möglich - so auch an diesem, sowie den folgenden Tagen.

Der Frühling lässt in diesem Jahr gemäß der Einheimischen deutlich länger auf sich warten, als sonst üblich, was dazu führt, dass vieler Orts noch Nebensaison herrscht und viele Einrichtungen sich noch im Winterschlaf befinden. So auch in Udabno. Nach einem kurzen Abstecher Richtung Grenze von Aserbaidschan in das Kloster Dawit Garedscha und der anschließenden Erkundung des Ortes, stand fest, dass wir die einzigen Touristen vor Ort sind. Da aus den genannten Gründen nicht viel zu tun war, genossen wir die herrliche Nachmittagssonne mit der einen oder anderen Kuh auf der Veranda und ließen den Abend in einem der 2 Lokale vor Ort ausklingen.
















Am nächsten Morgen hatten wir kurz Angst, der hausgemachte Wein des Vorabends hätte Spuren hinterlassen, da die Aussicht doch sehr trüb erschien - dichter Nebel mit anhaltenden Regen und eisigen Temperaturen um die 5 Grad. Nichts wie weg und ab nach Sighnagi - der Stadt der Liebe, da muss das Wetter ja passen ... oder auch nicht. Auch hier wurde es nicht besser und die uns versprochene wunderschöne Aussicht auf das Tal und in die Weite endete halt nach knapp 10 Metern. Ein Blick in den Wetterbericht versprach allerdings Besserung am folgenden Tag, weshalb wir nach einer kurzen Erkundung des Ortes relativ zuversichtlich den Abend ausklingen ließen.















Tatsächlich hatten wir Mittwoch bombastisches Wetter und beschlossen die Wanderschuhe zu schnüren und den Lagodekhi Park zu erkunden. Ein riesiger Nationalpark im Nord-Osten der sich bis an die Grenze Russlands zieht. Da auch hier noch Nebensaison herrscht, waren offiziell nur 2 Wanderwege geöffnet. Gute 3,5 Stunden pro Strecke waren laut Wegweiser ausgewiesen und es sollte sich um einen Wanderweg der Kategorie "Einfach" handeln. Liegt ja glücklicherweise im Auge des Betrachters, was man als "Einfach" empfindet, aber nach europäischen Standards, war es dieser Weg definitiv nicht. Highlight der Tour war allerdings die Beschilderung - knapp 1,4km vor dem Ziel sollte man dies in knapp 30min erreicht haben - wiederum 1km vor dem Ziel sollten es dann auf einmal 50min sein ... 

Dank der Sonne konnten wir am Abend noch dem "Zauber" der Stadt Signahi beiwohnen und die angepriesene Aussicht etwas genießen. Bei guten georgischen Wein und Spezialitäten ließ es sich aushalten.



















Apropos Wein - diesen können sie hier und um uns mit dem Verfahren und der Geschichte etwas vertraut zu machen, hatte Marie uns eine Unterkunft auf einem kleinen Weingut gebucht. Die Weinherstellung in Georgien gehört zu einer der ältesten der Welt und wurde auch von der UNESCO inzwischen als solche ausgezeichnet. Auf dem kleinen Weingut im Schatten des Kaukasus hat uns die Betreiberin ein wenig in die Geschichte und die Herstellung eingeführt. Die Besonderheit ist unter anderem die, dass es sich bei den Weinen um ungefilterte handelt, die in im Boden versenkten Lehmtöpfen reifen. Neben der Herstellung hat sie uns noch ein wenig über das Weingut und die Weinernte erzählt, ehe wir endlich auch mal zur Flasche greifen durften.

Solche Lehmtöpfe finden sich inzwischen gefühlt an jeder Ecke, ob nun Weingut, Kloster, Grundschule und Straßenkiosk - irgendwie stehen die Dinger an jeder Ecke rum. Ebenfalls überall anzutreffen sind die Straßenhunde - früher ein Problem, inzwischen allerdings von staatlicher Seite ein angenommenes Problem. Die Hunde werden geimpft, kastriert und versorgt - egal wo wir aufgetaucht sind, nach einem kurzen Schnuppern waren sie unsere besten Freunde und auch stetige Begleiter.


















Selbiges lässt sich irgendwie auch über die Georgier sagen, mit den wir bisher zu tun hatten - eine leichte desinteressierte, ablehnende Haltung verbunden mit Maulfaulheit am Anfang, hin zu freundlichen Grüßen und Nicken.

Der weitere Reiseverlauf sah eigentlich einen Abstecher in den Norden nach Stepanzminda vor, nachdem es dort allerdings die letzten Tage etwas stärkeren Schnellfall gab und die Vorhersage für die kommenden Tage ebenfalls durchwachsen ist, werden wir unsere Route etwas umplanen und nach Westen weiterziehen. 

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