Ehe wir Curacao den Rücken kehren sollten, begaben wir uns nochmals auf die Suche nach etwas Unterwasserleben. Nachdem der Ausflug gen Klein Curacao doch etwas enttäuschend verlief und wir auch keine große Hoffnung mehr hegten, wurden wir doch noch fündig. Im Süden der Insel, idyllisch hinter einem riesigen Bohrschiff gelegen, befindet sich der Tugboat Beach.
Namensgebend ist ein 1977 mit reichlich Whiskey und Weihnachtsdekoration beladenes Schiff, dass aus mehr oder minder unerfindlichen Gründen kenterte und gut 150m vor der Küste sank. Man entschied zumindest die Besatzung zu retten, aber das Boot ließ man sinken und seitdem liegt es vor der Küste und verwandelt sich mehr und mehr in ein kleines Riff. 2001 sollte an der Stelle ein neuer Pier entstehen, aber man entschied glücklicherweise den Bau zu verlegen und das Schiff an eben diesem Platz zu belassen.
Zugang zum Riff erhält man über einen kleinen privatbewirtschaften Strand, der von 2-3 bekifften Dudes verwaltet wird. Der augenscheinliche Drogenkonsum kam und maximal entgegen, denn nach der Zuweisung einer Cabana und dem Hinweis auf anfallende Kosten verschwand der Kumpel und ward nie wieder gesehen.
Am kommenden Tag hieß es Sachen packen und irgendwie die Zeit totschlagen, ehe wir die episch lange Reise nach Bonaire antreten konnten. Wir fuhren noch 1-2 Spots auf der Insel an und steuerten zielgerichtet gen Flughafen. Dort erwarten uns Horden von gestrandeten Amis, die auf Grund des Haushaltsstreits in den USA ihren Flug nicht oder nur sehr verspätetet antreten konnten, da die Fluglotsen dem "ehrenamtlichen" und unentgeltlichen Arbeitsgedanken vom Pedo-Kasper nicht folgen konnten/wollten.
Uns betraf dieser Unsinn glücklicherweise nicht und so konnten wir pünktlich auf die Minute unsere kleine 32 Sitz Saab 340b Turboprop Maschine besteigen. Epische 15min später inklusive Start und Landung befanden wir uns auf Bonaire.
Bonaire ist Teil der ehemaligen Niederländischen Antillen und gilt als "Besondere Gemeinde" der Niederlande. Nichts destotrotz ist es ein eigenständiger Staat mit Flagge, Länderkennung Pipapo.
Der Flamingo Airport wusste direkt mit Einreiseschalter an der Landebahn und Gepäckband unter freiem Himmel inklusive Raucherbereich am Gepäckband zu überzeugen. Vor dem Flughafen wurden wir direkt von unserem Mietwagenanbieter empfangen und gute 15min später befanden wir uns auch schon in unserer Unterkunft für die kommenden Tage.
Das Bridanda Resort - wobei Resort im klassischen Sinne vermutlich zu viel suggerieren würde. Es sind 6 Hütten, ein Pool und ein Zaun. Etwas abseits und schön ruhig. Die einzige Konstante Bespaßung hier sind die Eidechsen und die Hauskatze, die sich irgendwie bei uns relativ wohl fühlt. Da es schon relativ spät bei unserer Ankunft war, verlagerten wir die Erkundung der Insel auf die kommenden Tage und begnügten uns mit einem kleinen Spaziergang und kaltem Bier aus dem Gemeinschaftskühlschrank.
Die Insel verfügt eigentlich nur über 2 Orte - Rincon im Norden, eine ehemalige spanische Sklavenkolonie und Kralendijk, die Hauptstadt im Westen. Diese wurde ursprünglich von britischen Siedlern errichtet, ehe die Niederlande die Kontrolle über die Insel erlangten.
Das Land Bonaire lebt hauptsächlich von Tourismus, hier besonders Wassersporttouristen, die tauchen oder schnorcheln wollen. Die gesamte Insel ist von Korallen umgeben und bietet unbeschreibliche Eindrücke, auch wenn die globale Erwärmung hier massiv seine Spuren hinterlässt und zahlreiche Riffe ausgeblichen sind und absterben. Die Inselbewohner sind stark bemüht auf die Folgen der globalisierten Welt aufmerksam zu machen und versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Riffe zu schützen. Da Bonaire Teil der Niederlande ist, siedeln sich immer mehr Niederländer hier an und bauen wie die Bekloppten Appartements und Resorts, was verständlicherweise zu Spannungen führt. Zuletzt haben die Bewohner den Niederländischen Staat verklagt, da er seiner Aufgabe des Klimaschutzes nicht nachkommt, was für Bonaire zu Folge hat, dass sie perspektivisch absaufen, wenn der Meeresspiegel weiter steigt.
Neben Tourismus wird aus alter Tradition aka der Versklavung der indigenen Einwohner auch Salzabbau betrieben. Bis Mitte der 1970er Jahre noch weitestgehend per Hand in extra angelegten Salinen, wird heute mit schwerem Gerät Salz gewonnen und exportiert.
Die Geschichtsbewältigung bezüglich Sklaverei und den Genoziden an indigenen Bewohnern der Inseln gestaltet sich hier ebenso problematisch wie in Deutschland im Umgang mit seiner geschichtlichen Verantwortung bezüglich des Völkermordes an den Herero und Nama oder anderen Teilen der Welt, wo im Rahmen einer "Befriedung" einer Region, ganze Volksgruppen auf Grund bestimmter westlicher Ideologien bzw. der vermeintlich falschen Weltreligion ausgerottet werden. Eine Besonderheit auf Bonaire war, dass die Sklaven keiner Privatperson "gehörten" wie z.B. in Amerika oder Curacao, sondern "Eigentum" des Staates waren. Dies ermöglichte den Sklaven zumindest auf dem Papier ein vergleichsweise "freieres" Leben. Zusätzlich durften sie Eigentum besitzen und selber Land bewirtschaften und Viehzucht betreiben.
Bevor allerdings Sklaven auf die Insel verschifft wurden, haben die spanischen Siedler Unmengen an Eseln auf die Insel gebracht, da sie selber zu faul waren in der Hitze weite Strecken zu laufen und sie noch keine Slaven hatten, die die Schwerstarbeit für sie machen konnten.
Ohne natürliche Feinde vermehrten sich die Tiere massiv und mit Einzug der Industrialisierung, sowie schweren Gerät wurden die Tiere unbrauchbar und ihrem Schicksal überlassen. Mit der Folge, dass auf der ganzen Insel wild verteilt wilde Esel leben und durch die Gegend streifen. Daher auch an jeder zweiten Ecke der freundliche Hinweis "overstekende ezels" - was letztendlich soviel heißt, wie kreuzende Esel. Da kann schon mal passieren, dass beim Abendspaziergang auf einmal zwei Esel vor dir stehen und die Grünflächen des örtlichen Gemeindezentrums kahl fressen.
Unsere erste Tour führte uns in den Washington-Slagbaai-Nationalpark. Analog Curacao handelt es sich auch hierbei um eine ehemalige Plantage inklusive eines natürlichen Hafens, dem Slagbaai - Schlachtbucht. Am Parkeingang erfolgt die Empfehlung, ein Allradauto zu nutzen - nicht unbedingt notwendig, aber die sehr natürlichen Wege durch den Park weckten leichte Erinnerung an so manchen Weg durch Botswana damals. Neben reichlich Sand, Steinen, Kakteen und Salinen, bot der Park auch die Möglichkeit an einzelnen Stellen der Steilküste direkt in das Meer hinunterzusteigen und sich der atemberaubenden Unterwasserwelt zu widmen. Die Möglichkeit mussten wir alleine auf Grund der extremen Temperaturen ergreifen und sollten es auch nicht bereuen.
Am folgenden Tag fuhren wir auf die vorgelagerte und verlassene Insel Klein Bonaire. Hier besteht die Möglichkeit, sich durch die natürliche Strömung vor der Insel in ca 40min parallel zum Riff treiben zu lassen und die Unterwasserwelt zu bestaunen. Freundlicherweise wurden wir auch direkt von einer Schildkröte begrüßt und durften einige Meter mit ihr zusammen schwimmen. Des Weiteren begegneten uns Horden von "vliegende fis" - fliegenden Fischen.
Die kommenden Tage verliefen nach einem ähnlichen Muster ab, am frühen Morgen ging es in der Regel in den Norden an die Küste um 1-2 Stunden zu schnorcheln und regelmäßig Schildkröten, Octopus und andere Fische zu sehen, ehe der Nachmittag bei einem kühlen Bier am Pool ausklang. Wir hätten es ja für unmöglich gehalten, gerade nach Curacao, kam dieses Gefühl noch gar nicht bei uns auf, aber 7 Tage Bonaire bewirken tatsächlich etwas in uns. Wir könnten uns durchaus noch 1-2 Wochen hier vorstellen. Irgendwie hat die Insel und deren Bewohner etwas, was einen runterfahren lässt und die Seele baumeln lässt.
Etwas Anspannung verspüren wir aber doch, beim Blick auf den Wetterbericht für Deutschland. Von aktuell 32 - gefühlten 35 Grad, hin zu 6 - gefühlten 2 Grad, werden wir bei der Wahl der Bekleidung vor kleinere Probleme gestellt, nachdem die letzten 14 Tage nur aus Badehose und leichtem Shirt bestanden, müssen wir erstmal schauen, was unser Koffer so her gibt.
Hartelijk dank en pas op voor de ezels!





















































































