Sonntag, 26. Mai 2019

Moshimoshi Nippon

Freitag, 17:45 Uhr - 25 Grad, die Frisur sitzt. Ebenso wir in unserem Taxi Richtung Tegel bis unser Taxifahrer Höhe Saatwinklerdamm unvermittelt den U-Turn hinlegt und quer durch die Seitenstraßen über Heckerdamm erneut zum Saatwinkler fährt. Kurze Verwunderung, doch als die Polizei vor uns steht und wild gestukuliert, wissen wir Bescheid. Hier geht es nicht weiter und wir müssen zum Flughafen laufen, da eine Fahrraddemo angemeldet wurde ... Freitagabend auf dem Saatwinkerldamm ... klasse Plan - nicht. Es handelte sich um 1-2 ambitionierte Schulschwänzer und Langzeitstudenten, die die Fahrbahn mit einer Sitzblockade besetzten. Komische Fahrraddemo, aber naja soll nicht mein Problem sein, musste nur zusehen, dass Marie dem Rädelsführer nicht ins Gesicht springt, als er keinen Platz machen wollte und Ihr dann noch irgend einen Hochglanzflyer zum Thema Klimaschutz in die Hand drücken wollte ... komische Doppelmoral, aber ein anderes Thema.

Nach einem ordentlichen Fußmarsch ging es zum Terminal und dann bereits relativ fix nach Paris, ehe wir dort unseren Flieger gen Tokio bestiegen. Der Flug verlief unspektakulär und wir nutzen einen Teil der Zeit um die Kraftreserven aufzutanken. 

Knapp 40 Minuten früher als ursprünglich geplant landeten wir in Tokio und da waren wir nun. Im Land der aufgehenden Sonne. Marie war etwas unruhig, da wir das erste Mal ohne Koffer, sondern mit Rucksack reisen und Sie sich nicht sicher war, ob Sie diesen den richtig verschlossen hätte. Die Sorge war vollkommen unnötig und knapp 45 min nach der Landung hatten wir die Migration hinter uns gebracht und saßen schon samt unserer Rucksäcke in der Monorail Richtung Tokio.


Im Vorhinein haben wir viel gelesen und uns angeschaut, daher waren die Erwartungen und auch die Anspannung bezüglich Bahnfahrten, sowie dem Menschenaufkommen sehr hoch, umso überraschter waren wir über die verwaiste Bahn, sowie einer Tokioter Innenstadt, in der man sich problemlos bewegen konnte. Die Fahrt vom Flughafen zu unserer Unterkunft verging fix und so konnten wir zum ersten wichtigen Punkt des Tages kommen - Rauchen ...


Auf der Straße rauchen ist tabu und wir mussten uns zunächst eine Smoking Area im Umkreis suchen, gar nicht so einfach, da Tokio für die anstehenden Olympischen Spiele aktuell einen auf nachhaltig und gesund macht. 
Nach der Stillung des Grundbedürfnis, folgte der zweite Akt - Essen. Kurzer Blick in die Karte und wir wussten hinter welcher Häuserecke sich unsere vorab gesuchte Destination befinden würde.
Angekommen, war erstmal dicke Backen machen angesagt - Schließtag... Not macht erfinderisch und erkundungsfreudig, also Schuhe schnüren und ab ins Getümmel.





Nach einer Runde im Karree entschlossen wir uns für eine klassische japanische Suppenküche. Brühe, Nudeln, Gemüse und wahlweise Fleisch - so simpel und doch so lecker. Die Verständigung funktionierte erstaunlich gut und daher sank der Pegel der Anspannung weiter. Nach der Suppe zogen wir noch ein wenig durch die Gegend, bunkerten 1-2 Kleinigkeiten, ehe es Zeit fürs Bett wurde, da am nächsten Morgen das Programm erst richtig starten sollte.







Das Frühstück überzeugte mit deftiger Präsenz, von Weißkohl, Sushi über Eiersalat und Miso Suppe. Ob dies jeden Tag funktioniert bleibt abzuwarten, aber für den Anfang war es erstmal ok. 



Um die Neugier am Morgen noch zu stillen, gab es eine Dose aus dem Getränkeautomat - fast wie Russisches Roulette, hier muss ich sagen Glück gehabt, handelte sich um Milchkaffee ...


Dann nochmal schnell frisch machen, Studium in Raketenwissenschaften ablegen und los ... Ok Studium für die Nutzung der Toilette nicht unbedingt notwendig, da das Grundprinzip jeder Toilette gleich ist, aber in die Hose kann es trotzdem gehen ...



Unser Weg führte uns direkt nach Shibuya und der wohl meist besuchten Kreuzung  der Welt ... Warum? Fragt mich nicht, als wir ankamen war dort tote Hose. Am Bahnhof machten wir noch einen Abstecher zur Hachiko Statue. Der Hund, der auf sein Herrchen wartet. Nette Geschichte, ebenfalls verfilmt mit Richard Gere.










Nach der mörderischen Überquerung der Kreuzung, waren wir quasi im gelobten Land des Konsums - leider nur eine halbe Stund zu früh, also den nächsten Coffeeshop angesteuert und nochmal die Kräfte mobilisiert.

Marie hat postwendend ihr neues Zuhause gefunden.


Ich habe mich wiederum mit den Sicherheitsanweisungen für den Notfall vertraut gemacht, damit ich im Fall der Fälle Bescheid weiß.



Die Stadt füllte sich langsam und wir zogen unseren Runden zwischen Nippes und Musthaves. Der absolute Konsum im Überfluss und eigentlich vollkommen unnötig, aber so unglaublich lustig und erfreuend.




Mittendrin immer mal wieder ein ausgewiesener Raucherbereich - dieser mitten auf dem Gehweg, hier kann man nun zu Recht über Sinn und Unsinn diskutieren.


Eine kleine Stärkung musste natürlich auch sein, wobei ich mir noch immer nicht wirklich sicher bin, was ich da eigentlich gegessen habe. Da ich noch tippen kann, war es wohl nicht giftig.








Nach vielen Stunden in der Affenhitze von Tokio zogen wir uns zurück in unser Hotel und freundeten uns schon mit unserem Bett an, ehe uns einfiel, dass wir ja vlt. noch etwas essen sollten. Also nochmal raus aus den Federn und ab zum Sushimeister um die Ecke. Da sich Marie erstaunlich gut benommen hat und keinerlei Querelen bezüglich der Nahrungsaufnahme bisher gezeigt hat, habe ich meinen Fugo Versuch noch nicht erledigt ... mal schauen was der Urlaub noch so bringt.




Morgen gönnen wir uns direkt mal eine kleine Auszeit von Tokio und fahren nach Kamakura, um dort den pädagogischen Teil der Reise einzuläuten.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Norden, Osten, Süden, Westen


Nach unserem kurzen Abstecher auf die Insel Masirah und einem relativ feuchten, doch sehr schönen Campingspot am Meer, ging es in den Süden nach Duqm.



















Eine Trabantenstadt mitten in der Wüste. Bis 2040 soll hier der Größte Hafen im arabischen Raum entstehen und der Ausgangspunkt für die neuen Seidenstraße geschaffen werden. Es werden bereits Stadtteile erbaut, die noch gar keine Bewohner haben bzw deren Notwendigkeit aktuell nicht besteht, aber lieber getreu dem Motto erstmal haben.

In 2010 lebten hier knapp 12000 Menschen, vorrangig Fischer, Ziel für 2020 sind 100000 Menschen. Es wurde extra eine Freihandelszone errichtet und jede Menge ausländisches Fachpersonal angeworben. Vorrangig Chinesen und Pakistaner, aber auch Deutsche und Briten. Siemens liefert die nächsten 45 Jahre alle Gasturbinen und weiteres Equipment in die Region. Die Royal Navy hat zudem den halben Hafen für 2 Flugzeugträger angemietet und der Russe lässt ab und zu mal ein Atom U Boot im Hafen ...

Wir waren ja zum relaxen da und entsprechend verzogen wir uns in unser Ressort und genossen die Hitze am Pool. Tourismus soll eine Säule der Region werden, da muss allerdings noch einiges passieren.






Am nächsten Morgen gab es mit Abstand das feudalste Frühstück der gesamten Reise und so machten wir uns vollkommen überfressen auf den Weg an die Nordöstliche Spitze des Landes nach Ras al-Hadd. Die Strecke von etwa 500km zog sich wie Kaugummi, da an diesem Tag sehr starke Winde wehten und wir von einem Sandsturm in den nächsten fuhren. Als wir am Nachmittag unsere Unterkunft bezogen durchfuhr uns beim Fall auf das Bett ein bestialischer Schmerz ... Der Härtegrad der Matratze betrug Kategorie Gulag. Der Fliesenboden wäre weicher gewesen. Naja nachhaltig vom Betreiber gedacht, die Matratze liegt man nicht so schnell durch.

Da Ausruhen nun keine Alternative war, gingen wir am Strand spazieren, in der Hoffnung vlt. noch eine Schildkröte zu erblicken, da uns dies bisher verborgen blieb. Am Strand angekommen, wurden wir von Infotafeln mit Verhaltensregeln erschlagen. Es sei ein geschützter Platz, kein Müll, kein Auto ... Bla Bla Bla

Klang in der Theorie lobenswert, in der Realität sah jedoch leider komplett anders aus. Müll soweit das Auge reichte und Reifenspuren quer über den Strand. Nichtsdestotrotz liefen wir ein wenig umher und fanden auch reichlich Eierschalen, allerdings keine Tiere. Zumindest schlüpfen sie trotz des Müll. Wir liefen noch 1-2 weitere Strandstücke ab, wo wir ein ähnliches Bild erhielten. Am Abend ging es noch in eines der örtlichen Lokalitäten, ehe wir unsere Knastnacht einläuteten.




Gefühlte 100 Jahre gealtert, war unsere Nacht bei Zeiten vorbei, da ich über Nacht das Fenster offen gelassen hatte und der Muezzin zur morgendlichen Stunde zum Gebet rief.

Ein Scheiblettenkäsefrühstück später befanden wir uns schon im Auto Richtung Fins. Hier sollten wir unser Zelt ein letztes Mal aufstellen. Zuvor fuhren wir noch 2 Wadis auf der Strecke an. Beim ersten Wadi hatte ich auf der Hälfte des Weges keine Lust mehr, da es sich um eine einspurige Straße mit ca 2m Breite handelte und einem regelmäßig Gegenverkehr entgegen kam. Da die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr nicht zur Stärke der Omanis gehört, habe ich gebockt und bin wieder umgedreht.

Das zweite Wadi konnte nur per Schiff erreicht werden. Hier sollte man am Ende Wasserfälle bestaunen können. Am Eingang noch ein Hinweis, das absolutes Badeverbot gelte, da das Wasser als Trinkwasser fungiere. Ok, also Handtuch ins Auto und wir ins Boot. Die ca 1 minütige Überfahrt verlief unspektakulär und so wanderten wir über Stock und Stein, sowie an schmalen Klippen vorbei Richtung Wasserfälle. Nach knapp 45min hörten wir Gejohle und Geschrei, ein Wasserloch mit jeder Menge badenden Touristen, vorrangig Deutschen und Franzosen ... Alle dem lesen scheinbar nicht mächtig. Asozial. Die Hitze drückte gewaltig, schließlich hatten wir wieder knapp 30 Grad und die Gesichtsfarbe vermeldete Farbe Feuermelder. Die Wasserfälle waren weit und breit nicht zu sehen und so entschlossen wir uns zurück zu gehen. Zusammen mit uns war noch ein älteres Ehepaar aus Chemnitz unterwegs, die wir im Laufe des Nachmittags, noch einmal beim Kaffeetrinken treffen sollten. Beide im besten Seniorenalter, relativ fit und sehr gesprächig.








Die Wanderung in der Länge war so nicht geplant und entsprechend platt waren wir auch. Marie hat im Voraus erneut sehr gute Recherchearbeit betrieben und so haben wir sehr schnell einen schönen Platz für unsere letzte Nacht gefunden. Beim gemütlichen Lagerfeuer wurde der Abschluss der Campingstrecke eingeläutet.










Die Nacht verging schnell und ereignislos, daher konnten wir relativ erholt unsere Sachen zusammen suchen und schauen, was zurück nach Deutschland soll und worauf wir verzichten können.

Neben den geklauten Fleecedecken von Qatar Airways hatten wir noch 2 Campingstühle, die zum wegwerfen zu schade waren. Also ran an nächsten Strand mit Campern und bereits beim 2ten Versuch fanden wir ein junges Pärchen die sowohl die Decken als auch die Stühle dankend annahmen.

Nach der guten Tat ging es ein letztes mal in ein naheliegendes Wadi. Fantastische Natur und eine unglaubliche Stille, lediglich die obligatorischen Ziegen, Esel und Vögel. Der Weg durch das Wadi endete leider etwas abrupt, als wir vor einer riesigen Pfütze standen. Ein Steinwurf in diese überzeugte uns davon zurück zu fahren, da es keine Pfütze, sondern ein Bachlauf war mit ca 60cm Tiefe. Wir genossen noch ein wenig die Ruhe und machten uns dann zu unserem letzten Abschnitt der Reise nach Seeb auf. Noch einmal quer durch Muskat mit 120kmh. Verstörendes Gefühl quer durch die Stadt mit solch einer Geschwindigkeit zu fahren.














Eigentlich wollte ich mir heute noch gepflegt den Ranzen verbrennen, aber da hat Mutter Natur scheinbar was dagegen. wir haben zwar irgendwas um die 26-28 Grad, allerdings keine Sonne, dementsprechend kann ich ganz entspannt am Pool liegen und die letzten Erinnerung aus den weiten meines Gehirns rauskramen.

Alle Himmelsrichtungen haben wir nun erfolgreich abgefahren, auf diesen etwas mehr als 3500 Kilometern ist beinahe alles dabei gewesen. Von luxuriösen Hotels bis puristischen Campingplätzen, von Unmengen Ziegen und Deutschen, über Kamele, Esel und Katzen, bis hin zu Sonne, Sand, Steinen und Wasser.

Was bleibt nun eigentlich über? Die arabische Kultur, zumindest wie wir sie hier im Oman kennenlernen durften, ist eine unglaublich freundliche und herzliche Kultur. Alle Menschen haben gefühlt einen Schalk im Nacken und immer ein Lächeln auf den Lippen. Letztlich genau der Typ Mensch, den wir schätzen. Summa Summarum eine runde Sache und jedem zu empfehlen der keine Berührungsängste und Ängste vor Neuem hat.



As-salāmu ʿalaikum