Samstag, 14. September 2019

Der Mann vom Mars

Ach Wunder, Marie kann ja doch Karten lesen und so begaben wir uns doch tatsächlich gen Süden.

Nach einem Diabetiker unfreundlichen Frühstück bei der Bäckerei unseres Vertrauens ging es auf die Küstenautobahn, um nur wenige Minuten später wieder anzuhalten.

Das Kélonia war das Ziel unseres Stopps, eine Beobachtungsstation, die Schildkröten z.B. aufpäppelt und wieder auswildert. Sehr interessant, wenn auch 95% nur auf französisch beschrieben, die wichtigsten Punkte konnte man sich aber durchaus zusammenreimen.






Die West- und Südküste entlang vieler kleiner Ortschaften und Strandpromenaden, oder etwas, das durchaus mal eine werden könnte, führte uns Marie zur nächsten Unterkunft für die kommenden Tage. Ein Appartement mit Meerblick in dem kleinen verschlafenen Örtchen Langevin.









Da wir zeitlich gut unterwegs waren, entschieden wir uns noch als Einstimmung auf den kommenden Tag, zu einem kleinen Fußmarsch, quer durch die anliegende Ortschaft, mit dem Ziel dem Wasser so nahe wie möglich zu kommen, was sich aber als relativ schwer erwies. Die komplette Landschaft Reunions ist von Vulkanen und entsprechend steilen Küsten geprägt. Gesunde Füße oder zumindest ein Auto mit mindesten 75 PS sollten drin sein, sonst verkommt man irgendwann in seinem Nest, ohne Kontakt zur Außenwelt.





Eingestimmt und frohen Mutes klingelte am nächsten Morgen um 5:20 Uhr der Wecker, da wir als Ziel den Piton de la Fournaise auserkoren hatte. Der Vulkan ist knapp 2600m hoch und gilt als einer der aktivsten der Erde. Die letzte Eruption war am 11 August 2019. Die Anfahrt sollte trotz der geringen Weite von knapp 65km allerdings dann doch 2:45h dauern, da die Straßen teilweise nicht mehr als 30 kmh hergaben und die Infrastruktur der Insel chronisch überlastet ist. Mit Schulbeginn zwischen 7 und 8 Uhr herrscht quasi Stillstand auf der Insel, da an jeder Ecke ein Schulbus hält und den Verkehr entsprechend bremst.

Körperlich und seelisch bereits ein wenig belastet, sollte der spaßige Teil erst folgen.

Um auf den Gipfel des Vulkan zu gelangen bedarf es einiger Überwindung, also sowohl geistiger, als auch physischer seits.Wir hatten im Vorfeld zu der Tour einige Sachen gelesen und letzte Bericht stammte von einem Pärchen, die die Tour zum Gipfel und zurück in jeweils 1,5h geschafft haben wollen - mag ich bezweifeln aber gut, der Reihe nach.

Bevor es nach Oben gehen kann, muss es bekanntlich zunächst nach Unten gehen. 527 Stufen abwärts um in einem riesen großen Lavafeld zu stehen. Die Landschaft ist einfach atemberaubend.

Am Horizont ist der Vulkan, jedoch nicht seine Spitze zu sehen, es ziehen nach und nach Wolken auf und beglücken uns teilweise mit einem feinen Nieselregen. Diesen Wolken und dem verhangenen Blick wollten wir eigentlich entgehen, aber die oben genannte Probleme bei der Anfahrt durchkreuzten dies leider.

Nach einer ersten Orientierung steuerten wir direkt los. Laut Anschlag soll diese Strecke pro Route jeweils 2:45h dauern - das Schild ist mindestens von 2015 und seit dieser Zeit gab es mehrere Eruptionen was mit großer Sicherheit dazu führte, dass man ggf. diese Zeit einmal nachmessen sollte. Das Gleiche gilt auch für die Wegstrecke. Der Weg zum Gipfel wird lediglich durch weiße Farbpunkte am Boden gekennzeichnet, die irgendein armer Hilfsarbeiter in regelmäßigen Abständen dort tupfen muss. Querfeldein und nicht mit einem erkennbaren Sinn dahinter.



























Nach knapp 6 Stunden, mehr als 12km über unebene und scharfkantigen Lavaresten, vielen schmutzigen Worten, Vorwürfen und Euphorie waren wir wieder am Auto angekommen.

Nun hieß es Wunden lecken - neben Sonnenbrand auf dem Handrücken?!? und wackligen Beinen lieferten wir uns einen Wettkampf im Jammern, wer die größeren Blasen an den Füßen hätte ... Gemäßen an der Anzahl: Ich - Gemäßen am Ausmaß: klarer Sieger Marie.

Der folgende Tag wurde vorrangig zur Regeneration genutzt, neben natürlich der einen oder anderen Wanderung ;)

Gestern setzten wir zur letzten Etappe auf der Tour de Reunion an und fuhren weiter nach Sainte-Anne im Osten der Insel. Eine Gegend, die durch Süßwasserbassins und Wasserfälle geprägt ist.




















Auch hier standen wieder 1-2 kleinere Wanderungen an, bevor wir uns morgen zum Flughafen begeben und die gigantische Distanz von knapp 200km nach Mauritius hinter uns bringen ...



Montag, 9. September 2019

Kurzer Trip ins europäische Ausland...

... Also knapp 9200 km von Berlin und noch immer in Europa, der Kolonialherrschaft Frankreichs sei dank.

Die Strecke nach Reunion erweist sich für den geneigten Reisenden als etwas beschwerlich, da ein Wechsel des Flughafens in Paris notwendig ist und dies zwischen 90 Minuten und 2 Tagen dauern kann. Wir planten mit knapp 7 Stunden und brauchten tatsächlich aber nur 2. That's life, aber war vlt auch nicht schlecht, da mich seit dem Weckerklingeln um 6 Uhr die Frage beschäftigte, ob die Ausfuhrmengen des Zolls bezüglich Alkohol sich ausschließlich auf Flaschen im Gepäck beziehen oder auch im Blut des Passagiers?

Bei Croissant und anderem schwand diese Frage im Laufe des Tages und wir konnten Samstagabend endlich unsern Flieger besteigen.

Airfrance fuhr den besten Flieger auf, den sie finden konnten. Vermutlich aus dem Nachlass von Francois Mitterrand, würde zumindest die veraltete Technik und den allgemeinen Zustand erklären. Leichtes Nikotingelb am Plastik, gepaart mit einem Touchpaddisplay, was dem Nokia 3210 in Größe und Auflösung Konkurrenz machen könnte. Bezahlst Lufthansa und bekommst Ryanair quasi. Naja waren ja nicht für die Unterhaltung an Bord, sondern der Dienstleistung des Transportes wegen.






Hat geklappt.

Mit tosendem, gar stürmischen Applaus, ähh Wind wurden wir von der Insel willkommen geheißen. Einreise unproblematisch, da EU und schon saßen wir in unserem Wagen auf den Weg an die Westküste nach La Saline-Les-Bains. Nettes kleines Appartement mit einer netten Besitzerin und Blick auf das Meer. Besonders imposant bei dem Wetter, da sich an der Küste eine riesige Lagune befindet und die Wellen dort bereits brechen, ehe sie am Strand ankommen.

An baden war nicht zu denken, da der Wind mit Sicherheit die Stärke 5 oder 6 hatte und alles und jeden aus dem Meer heraus trug, also begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Spaziergang am Strand, ehe wir uns den örtlichen Köstlichkeiten hingaben.




















Heute war der frühe Vogel gefragt, da wir zum Maido wollten. Einem Vulkangipfel, der nur sinnvollerweise in den Morgenstunden besucht werden sollte, da ab späterer Stunde der Gipfel in den Wolken verschwindet.

Also Sachen gepackt und los - kurz vor der vermeintlichen Ankunft wurde Marie allerdings klar, dass sie mich schnurstracks zum Cap Noir gelotst hatte. Kein Vulkan, allerdings auch sehr schön, jedoch mit einigen ungeplanten Wanderkilometern verbunden. Naja, ich wollte nicht umsonst ca. 1 Stunde Serpentienen im 2ten Gang gefahren sein. Folgerichtig die Schuhe geschnürt und los.








Im Anschluss ging es noch ins Bassin Vital. Leider zeichnet sich hier die aktuelle Dürre auf der Insel besonders ab, da statt des Wasserfalls und Bergsee uns ein Tümpel mit Entengrütze und einem Rinnsal am Gemäuer erwartete. Egal, der Weg dorthin hat Spaß gemacht, auch wenn wir deutlich merken musste, dass ggf. am Vorabend eine Zigarette zuviel geraucht wurde.












Eigentlich war für heute noch Baden angesagt, aber der Wind kommt wieder deutlich stärker auf und der Strand ist zum beliebtesten Hai Spot auf Reunion gekürt worden, so dass ich mich weigere da drin zu baden, zumindest am zweiten Tag, am Ende der Reise hab ich nichts mehr zu verlieren, aber jetzt wäre doof.

Morgen ziehen wir weiter gen Süden ... wenn Marie es nicht vergeigt ;)